Wenn das Immunsystem verrückt spielt
Seit den 1950er Jahren nahm in den Industrieländern die Häufigkeit von Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis um bis zu fünf Prozent zu. Ungefähr 30 Prozent der "zivilisierten" Bevölkerung zählen zu den Allergikern; europaweit geht man von 80 Millionen Allergikern aus. Und: Immer häufiger trifft es die Jüngsten. Schon etwa 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren sind an einer Allergie erkrankt. Bei Allergikern reagiert das körpereigene Immunsystem extrem auf Stoffe, die normalerweise harmlos sind. Allergische Beschwerden können sich in Form von Hautveränderungen, Schnupfen, Atembeschwerden, Erbrechen, Durchfall und einem Kreislaufschock inklusive Herz- und Atemstillstand äußern.
Die über die Chemnitzer Region hinaus beliebte Vortragsreihe "Medizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" wird am 25. März 2009 um 17.30 Uhr im Hörsaal 305 im Universitätsteil Straße der Nationen 62 in Chemnitz fortgesetzt. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen Insektengift-, Arzneimittel- und Kontaktallergien. Chefärztin Dr. med. Ingrid Feldmann-Böddeker vom DRK-Krankenhaus Rabenstein spricht in ihrem Vortrag "Insektengiftallergien, Arzneimittelallergien und Kontaktallergien - neue Diagnostikverfahren und Behandlungsmöglichkeiten" über Entstehung, Diagnostikverfahren und Therapiemöglichkeiten bei diesen Allergien.
Unter einer Insektenallergie versteht man allergische Reaktionen auf Insektengifte. Solche kommen vorwiegend nach Stichen von Bienen, Wespen, seltener auch Hornissen und Hummeln vor. "Um herauszufinden, auf welches Insektengift der Patient reagiert, werden nach einer ausführlichen Anamnese diverse Haut- und Bluttests durchgeführt", berichtet Feldmann-Böddeker und fügt hinzu: "Insbesondere bei einem Kreislaufschock wird auch heute häufig nicht an eine Insektenallergie gedacht. So sterben schätzungsweise jährlich rund 20 Bundesbürger an den Folgen eines Bienen- oder Wespenstiches." Derartige Todesfälle könnten verhindert werden, wenn Insektengiftallergiker rechtzeitig einem Allergologen zu Diagnostik und Therapie vorgestellt werden.
An einer Arzneimittelallergie leiden ca. zehn bis 15 Prozent aller im Krankenhaus befindlichen Patienten. Grundsätzlich kann jedes Arzneimittel allergische Beschwerden auslösen. "Es können Sofortwirkungen, direkte Zellschädigungen, Schädigung durch Antigen-Antikörper-Verbindungen sowie die Allergie vom Spättyp auftreten", weiß Feldmann-Böddeker und fügt hinzu: "Eine allergische Reaktion bedeutet, dass das Immunsystem des betroffenen Menschen beim Kontakt mit einem bestimmten Allergen, in diesem Fall ein Arzneimittel-Inhaltsstoff, spezielle Antikörper produziert, die gegen diesen Stoff gerichtet sind." In der Folge kann es zu Fließschnupfen, Hautekzemen, Nesselsucht, Atemnot oder Schwellung bestimmter Körperteile, zum Beispiel der Lippen, oder auch Beschwerden im Magen- Darm-Trakt kommen. Um erneute, unter Umständen auch lebensbedrohliche Arzneimittelreaktionen zu verhindern, ist auch hier die rechtzeitige Diagnostik und Beratung beim Allergologen von Bedeutung.
Ein allergisches Kontaktekzem entsteht nach Hautkontakt mit einem Allergen. Typisch für diese Form der Allergie ist unter anderem die Nickelallergie. Hier muss der Patient gemeinsam mit seinem Allergologen das Symptom auslösende Allergen, insbesondere aus dem Bereich Kosmetik, Körperpflege, Haushalt, Hobby oder Beruf, ermitteln. Dr. Feldmann-Böddeker berichtet von einem Beispiel aus der Praxis: "Die neuen zweifarbigen 1-Euro und 2-Euro-Münzen haben wie die D-Mark einen Nickelanteil von 25 Prozent. Für Kassierer, Bankangestellte und Menschen, die beruflich viel mit Münzen zu tun haben, besteht ein höheres Risiko an einem Kontaktekzem, genauer einer Nickelallergie, zu erkranken."
In den folgenden Monaten stehen noch weitere interessante Themen auf dem Plan der Vortragsreihe "Medizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft":
29. April 2009: "Neue Diagnostik und Behandlungsverfahren in der Gefäßmedizin - Möglichkeiten und Grenzen", Dr. med. Sven Seifert und Prof. Dr. med. Johannes Schweizer, Klinikum Chemnitz gGmbH
27. Mai 2009: "Wenn die Angst uns krank macht - Angststörungen und ihre Behandlungen", Prof. Dr. Siegfried Gauggel, Universitätsklinikum RWTH Aachen
24. Juni 2009: "Zahnimplantate und ihre Probleme - forensische Aspekte bei der Planung, der Auswahl und dem Einsetzen von Zahnwurzelimplantaten", Dr. med. Rolf-Peter Zschenderlein, Fachzahnarzt, Oralchirurgie, Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie Chemnitz
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Chemnitz
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