Warum werden manche Raucher rückfällig und andere nicht?

28.02.2008 | Dresden
Wissenschaftler der Raucherambulanz des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TUD und des Universitätsklinikums forschen seit einiger Zeit gemeinsam in einem Kompetenznetzwerk, um die Raucherentwöhnung weiter zu verbessern. Dazu suchen sie Teilnehmer für zwei Studien.

Die Gewichtszunahme und der Rückfall nach dem Ende der Behandlung sind für einige Raucher ein erhebliches Problem, wenn sie an einer Raucherentwöhnung teilnehmen. In zwei Forschungsprojekten sollen die Ursachen für diese Probleme untersucht werden, um die Behandlungsprogramme besser als bisher gestalten zu können.

Studie 1 befasst sich mit der Gewichtszunahme

Nach fünf Jahren, so eine andere Studie, bringen etwa jede fünfte Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige Raucher führen diese Effekte auf ein spürbar gesteigertes Appetitgefühl zurück, das sie deutlich mehr essen lässt. Das motiviert viele abstinente Raucher, wieder zur Zigarette zu greifen, um nicht dick zu werden. Auch ist diese Problematik für viele ein Grund, eine Entwöhnung vom Tabak gar nicht erst zu versuchen. Das im Januar gestartete Forschungsvorhaben soll Erkenntnisse liefern, wie sich künftig die Gefahr einer Gewichtszunahme bei einer Raucherentwöhnung senken oder ausschließen lässt.

Studie 2 untersucht mögliche Faktoren, die das Risiko für einen Rückfall erhöhen

Bis heute besteht das Problem, dass ein Teil der Teilnehmer an Raucherentwöhnungsprogrammen zwar Abstinenz erreicht, aber nach einiger Zeit wieder rückfällig wird. Die genauen Ursachen dafür sind wenig erforscht. Die Studie soll mögliche Faktoren für Erfolg und Misserfolg untersuchen, um darauf aufbauend die Raucherentwöhnungsmaßnahmen durch individuellere Gestaltung verbessern zu helfen.

Im Rahmen beider Studien ist die Untersuchung von 200 Raucherinnen und Rauchern vor und nach dem Rauchstopp sowie drei beziehungsweise sechs Monate danach vorgesehen. Dazu bieten die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der TU Dresden eine Entwöhnungsbehandlung an. Dieser Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm, dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. Teilnehmer des Programms zeigen zehnfach höhere Erfolgschancen als im "Alleinversuch". Der Kurs umfasst sieben Gruppensitzungen sowie zwei Telefontermine, in denen fundiert über die Rauchentwöhnung informiert sowie intensive Unterstützung während des Rauchstopps geleistet wird. Das Programm wurde von den Krankenkassen zertifiziert, so dass sie bis zu 80 Prozent der Kosten übernehmen. Außerdem erhalten Studien-Teilnehmer 50 Euro Aufwandsentschädigung sowie ein Paket mit Materialen, die sie auf dem Weg zum "Nicht-Raucher" unterstützen.

Die Relevanz für Tabak-Abstinenz liegt auf der Hand. Auch nach vielen Jahren des Rauchens mindert eine Entwöhnung die gesundheitliche Belastung deutlich.

Nach einer britischen Studie verliert jeder Raucher statistisch gesehen zehn Jahre seines Lebens. Doch für einen Rauchstopp ist es nie zu spät: so kann ein 40jähriger, der mit dem Rauchen aufhört, im Durchschnitt neun Jahre an Lebenserwartung zurückgewinnen. Wer zwischen dem 25. und dem 34. Lebensjahr seine Sucht erfolgreich bekämpft, erreicht statistisch gesehen die Lebenserwartung eines Nichtrauchers. Doch die positiven Effekte eines Rauchstopps setzen schon viel früher ein: Schon nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck auf normale Werte. Nach 24 Stunden geht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, leicht zurück. Nach zwei Tagen beginnen die Nervenzellen, sich zu regenerieren; Geruchs- und Geschmacksorgane verfeinern sich. Und schon nach fünf Jahren Tabakabstinenz verringert sich das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, fast um die Hälfte.

Quelle: Pressemeldung Technischen Universität Dresden

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