Versorgung von Demenzpatienten durch Hausärzte und Familienangehörige

24.09.2009 | Frankfurt
IDA-Studie zeigt: Hausärzte und Familienangehörige sichern und verbessern die Versorgung von Demenzpatienten. Ergebnisse am 23. September 2009 in Nürnberg präsentiert.

Es sind überwiegend Angehörige,die die Pflege von noch zuhause lebenden Demenzpatienten bewältigen. Neben der Sicherung der medizinischen Grundversorgung sind Hausärzte auch hierbei wichtige Helfer, weil sie

Beratungs- und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige erfolgreich vermitteln können. Beide Personenkreise sind Eckpfeiler für eine bessere Versorgung von Demenzpatienten. Dies zeigt die Studie der Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) nach einem zweijährigen Beobachtungszeitraum. Die Hauptergebnisse der Studie zur besseren Versorgung von Demenzpatienten und deren pflegenden Angehörigen sind jetzt in Nürnberg vorgestellt worden.

Die IDA-Studie belegt, dass die Fürsorge der Familie ein wesentlicher Garant für die kontinuierliche Unterstützung und Pflege eines Demenzpatienten ist. Gut 90 Prozent der Hauptpflegepersonen der IDA-Studie stehen in einem engen verwandtschaftlichen Verhältnis zum jeweils Erkrankten (Ehepartner, Kinder, Schwiegerkinder). "Innerhalb der Familie wiederum ist Demenz überwiegend ein Thema, das Frauen betrifft", ergänzt Prof. Dr. med. Elmar Gräßel, medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des IDA-Projekts, Psychiatrische und Psychotherapeutische Universitätsklinik Erlangen. Nicht nur sind über zwei Drittel der Demenzpatienten der IDA-Studie weiblich (68 Prozent), auch die Mehrheit der Hauptpflegepersonen sind Frauen (73 Prozent).

Auch dem Hausarzt kommt bei der Versorgung von Demenzpatienten und deren pflegenden Angehörigen eine Schlüsselrolle zu: Ein zentrales Ergebnis der IDA-Studie ist, dass die Nutzungsrate von Unterstützungsangeboten wie Angehörigengruppen und vor allem der zugehenden Angehörigenberatung

(IDA-Beratung) bei aktiver Vermittlung durch den Hausarzt gesteigert werden kann.

Nehmen Angehörige, die einen Demenzpatienten zuhause pflegen, eine zugehende Angehörigenberatung in Anspruch, empfinden sie diese

mehrheitlich als sehr hilfreich: Nach einer zweijährigen Teilnahme an der Studie wurden die pflegenden Angehörigen, deren demenzkranker Angehöriger

noch zu Hause lebte, nach ihren Erfahrungen mit der zugehenden Beratung befragt (Gruppe B und C). Von den Angehörigen, die das Unterstützungsangebot in Anspruch genommen und somit mindestens einen persönlichen Kontakt mit ihrem IDA-Berater hatten, bewerteten fast 80 Prozent das Angebot positiv, 50 Prozent hat es nach eigener Aussage "sehr geholfen".

Ob zusätzliche Beratung und Unterstützung aber auch dafür sorgen können, dass Patienten im Unterschied zur Normalversorgung länger zuhause

bleiben, dazu konnte die Studie bislang noch keine statistisch signifikanten Wirkungsunterschiede nachweisen. Auch bezüglich des Krankheitsverlaufs

der Patienten sowie der Belastung der pflegenden Angehörigen zeigten sich bislang insgesamt nur geringe und keine signifikanten Unterschiede. "Da viele Patienten aufgrund ihres frühen Demenzstadiums jedoch eventuell erst zu einem späteren Zeitpunkt in ein Pflegeheim umziehen, planen wir eine zusätzliche Auswertung der Ergebnisse zur Heimübertrittsrate nach weiteren zwei Jahren", erläutert Prof. Dr. Rolf Holle, wissenschaftlicher Leiter Biometrie und Gesundheitsökonomie des IDA-Projekts, Helmholtz Zentrum München.

"Die IDA-Studie hat wichtige Wegmarken der künftigen Versorgung von Demenzpatienten und deren pflegenden Angehörigen geliefert, aber auch weitere Forschungsfragen aufgeworfen", resümiert IDA-Sprecher Dr. med. Dipl. Psych. Jörg Lauterberg vom AOK-Bundesverband. Wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen, sind beispielsweise: Warum werden kostenfreie Beratungsangebote teilweise nicht angenommen? Welche sind die konkreten Hemmschwellen, die gesenkt werden müssen?

Im Januar 2010 werden die Projektpartner die gesundheitsökonomischen Ergebnisse der IDA-Studie vorstellen. Darüber hinaus bietet das umfangreiche Datenmaterial den beteiligten Wissenschaftlern der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen und des Helmholtz Zentrums München die Möglichkeit, zahlreiche weitere wichtige Fragestellungen zum Krankheitsverlauf und zur Versorgung von Demenzpatienten zu beantworten.

IDA ist mit 390 teilnehmenden Patienten und deren pflegenden Angehörigen international eine der größten Interventionsstudien zur ambulanten

Versorgung von Demenzpatienten. Sie wurde gemeinsam von der AOK Bayern, dem AOK-Bundesverband sowie den forschenden Pharmaunternehmen

Pfizer und Eisai von Juni 2005 bis Februar 2009 in der gesamten Region Mittelfranken durchgeführt.

Die IDA-Projektpartner bedanken sich bei allen teilnehmenden Patienten und deren pflegenden Angehörigen sowie Haus- und Fachärzten in der Region Mittelfranken für ihre aktive Unterstützung bei der Realisierung der IDA-Studie. Ohne ihr Engagement wäre eine Umsetzung nicht möglich gewesen. Darüber hinaus gilt der Dank allen Unterstützern vor Ort, insbesondere den Angehörigengruppen der Projektregion, der Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der Bayerischen Landesärztekammer sowie dem Bayerischen Hausärzteverband.

IDA, die Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin, ist eine bisher einzigartige Initiative in Deutschland und international eine der größten Interventionsstudien zur ambulanten Versorgung von Demenzpatienten.Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Versorgungsqualität von Patienten mit Demenz zu verbessern und ihre betreuenden Angehörigen zu unterstützen. Das Projekt, das von Juni 2005 bis Februar 2009 in der Modellregion Mittelfranken durchgeführt wurde, soll einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Demenzpatienten möglichst lange in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung leben können und dass die physische und psychische Belastung der Angehörigen reduziert wird.

Für die nicht-medikamentösen Versorgungs- und Unterstützungsangebote von Demenzpatienten und ihren Angehörigen fehlen bislang noch zuverlässige

wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Rahmen der Studie wurde der betreuende Arzt in die Lage versetzt, zusätzlich zu seinen ärztlichen Leistungen und einer leitliniengerechten Therapie qualifizierte Beratungs- und Unterstützungsangebote für seine noch in häuslicher Umgebung lebenden

Demenzpatienten und ihre Angehörigen zu vermitteln.

Die Initiatoren von IDA sind die AOK Bayern, der AOK-Bundesverband und die forschenden Pharmaunternehmen Pfizer und Eisai, getragen wird

die Studie von Hausärzten in Mittelfranken. Wissenschaftlich begleitet wird IDA vom Universitätsklinikum Erlangen und dem Helmholtz Zentrum

München.

Umfassende Informationen und der aktuelle Stand des Projektes werden unter http://www.projekt-ida.de/ dokumentiert.

Quelle: Pressemeldung Eisai GmbH

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