Verbraucher über Krankenversicherung nicht informiert

18.10.2000 | München/Dortmund
Die Mehrheit der Bevölkerung ist über das Thema "Krankenversicherung" unzureichend informiert. Dies belegt eine Emnid-Verbraucherstudie zum Thema, die die Continentale Krankenversicherung a.G., Dortmund, in Auftrag gegeben hat.

Auf Grundlage der Ergebnisse startet die Continentale jetzt eine Informationsoffensive: Unter Mitarbeit von neutralen Krankenversicherungs- Experten hat die Continentale ein Informationspaket für Verbraucher und Berater entwickelt. Dieses enthält alle Informationen, damit Interessenten und Berater gemeinsam ein auf den individuellen Bedarf zugeschnittenes Versicherungsangebot ermitteln können.

Emnid-Studie belegt Informationsdefizit

Die Emnid-Studie zeigt zum einen, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht ausreichend über die jeweiligen Vor- und Nachteile von Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV) informiert ist. 57 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung garantiert sind, während sie bei der Privaten Krankenversicherung gekürzt werden können - in Wirklichkeit ist es umgekehrt. Auch stimmen 45 Prozent der Befragten der falschen Aussage zu, dass die GKV im Gegensatz zur PKV nicht jedes Jahr teurer wird. 36 Prozent der Befragten glauben, dass man ohne große Probleme aus der PKV in die GKV zurückwechseln kann, was spätestens seit dem Gesundheitsreformgesetz 2000 nicht mehr der Fall ist.

Der genaue Leistungsumfang der PKV ist ebenfalls unklar. So gehen 63 Prozent der Befragten davon aus, dass eine einmal vereinbarte Selbstbeteiligung für jede in Anspruch genommene Leistung gilt.

"Das Informationsangebot zum Thema Krankenversicherung ist zwar so groß wie nie zuvor, aber trotzdem - oder vielleicht gerade wegen dieser Informationsflut - sind die Verbraucher in erheblichem Maße schlecht oder falsch informiert. Selbst zentrale Punkte wie die lebenslange Leistungsgarantie der PKV sind der Mehrheit nicht bekannt. Die wesentlichen Fakten müssen daher eindeutig kommuniziert werden", meint Prof. Dr. J. Matthias von der Schulenburg, Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Hannover und Autor zahlreicher gesundheitsökonomischer Untersuchungen.

Punktuell bekannt sind jedoch die positiven Leistungselemente der Privaten Krankenversicherung. Dazu zählen beispielsweise: Kontrollmöglichkeiten über Abrechnungen (66 Prozent), nicht zum "Zweiter-Klasse-Patient" zu werden (58 Prozent) und besseres Preis-Leistungs-Verhältnis (50 Prozent). Diese Aussagen werden von den Befragten, die bereits privat krankenversichert sind, bestätigt.

Blindes Vertrauen in Ratings und Rankings

Ratings und Rankings, die in Magazinen und Zeitschriften als scheinbar objektive Bewertungen veröffentlicht werden, erfahren als Informationsquelle bei direkter Nachfrage mit 40 Prozent scheinbar hohen Zuspruch. Spontan geben allerdings nur 4 Prozent der Befragten an, Ratings und Rankings zu nutzen. Knapp die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass diese Vergleiche nach objektiven und anerkannten Regeln erstellt werden - in standardisierter Form existieren solche jedoch gar nicht. Und es handelt sich offenbar um blindes Vertrauen, denn nur sechs Prozent der Befragten gaben an, die vermeintlichen Regeln zu kennen.

Langfristige Beitragsstabilität wichtig

Geht es um die Leistungskriterien der PKV, so legen 86 Prozent der Befragten Wert auf die Möglichkeit, ihren Versicherungsschutz veränderten Lebensumständen anpassen zu können, 82 Prozent auf stabile Beiträge über Jahre hinweg. Außerdem sind für die Befragten wichtig: günstigere Prämien auf der Basis einer finanziellen Selbstbeteiligung sowie ein niedriger Einstiegsbeitrag (jeweils 68 Prozent). "Dies ist für die Versicherungswirtschaft wohl eines der überraschendsten Ergebnisse der Emnid-Studie", sagt Continentale-Vorstandsmitglied Rolf Bauer. "Der Verbraucher bewertet ganz offensichtlich die langfristige Beitragsstabilität höher als den niedrigen Einstiegsbeitrag." Dieser werde jedoch in vielen Ratings und Rankings als Bewertungskriterium zugrunde gelegt.

Verzicht auf Zwei-Bett-Zimmer-Wahl

Die Emnid-Studie brachte ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis: Mit Rücksicht auf die Beitragshöhe sind die Verbraucher bereit, auf bestimmte Leistungen der PKV zu verzichten. Die Möglichkeit der Zwei-Bett-Zimmer-Wahl erachten 46 Prozent als verzichtbar, wobei der junge Mensch anders denkt als der ältere. Während bei den 25- bis 29-Jährigen sich 56 Prozent vorstellen können, auf das Zwei-Bett-Zimmer zu verzichten, waren es in der Gruppe der über 60-Jährigen nur 39 Prozent. Nur 30 Prozent würden hingegen auf die überdurchschnittlichen Leistungen bei Hilfsmitteln und Zahnersatz verzichten. Auch die Absicherung bei Krankheit im Ausland steht ähnlich hoch im Kurs. Auf Beratung und Service legen viele der Befragten großen Wert.

Informationspaket gibt Orientierung

Auf Basis der Emnid-Studie entwickelte die Continentale unter Mitarbeit von Krankenversicherungsexperten ein bislang einzigartiges Informationspaket für Verbraucher und Berater, also Vermittlungsexperten in der Krankenversicherung. Verbraucher werden damit in die Lage versetzt, ihre individuellen Anforderungen an eine Krankenversicherung zu erkennen und in einem Beratungsgespräch die für sie optimale Lösung zu finden.

Berater erhalten alle notwendigen Informationen, um Interessenten ausführlich und bedarfsgerechter als bisher bei der Wahl der richtigen Krankenversicherung unterstützen zu können. Dabei werden sowohl die jeweilige Lebenssituation als auch die Lebensplanung berücksichtigt. Besonders vor diesem Hintergrund werden auch umfangreiche Hinweise zu der Frage geboten, ob es besser ist, sich in der GKV oder der PKV zu versichern. Die Co-Autoren des Informationspaketes sind: Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Hannover, Fachjournalist Arno Surminski und Prof. Dr. Jürgen Wasem, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement an der Universität Greifswald sowie Vorsitzender der von der Bundesregierung eingesetzten unabhängigen Expertenkommission "PKV und ältere Versicherte".

"Mit diesem umfassenden Paket wollen wir Interessenten und Berater dabei unterstützen, eine optimale Entscheidung zu treffen", betont Rolf Bauer. Da eine Broschüre aber nie sämtliche Lebenssituationen erfassen kann, helfen zusätzliche Fragestellungen dem Verbraucher, sein individuelles Bedarfsprofil zu definieren. "Ohne eine ausführliche persönliche Beratung ist allerdings unserer Meinung nach eine Entscheidung zwischen GKV und PKV sowie für einen konkreten Versicherungsschutz nicht möglich. Wir wollen es dem Verbraucher ermöglichen, optimal vorbereitet in ein Beratungsgespräch zu gehen", erläutert Rolf Bauer.

Informationsoffensive für Berater

Mit der Vorstellung des Paketes und der Ergebnisse der Emnid-Studie startet die Continentale auch eine Informationsoffensive bei Beratern. Auf bundesweit fünf Großveranstaltungen werden mehreren tausend Beratern die neuen Materialien vorgestellt. Unabhängige Experten diskutieren über die Private Krankenversicherung und stehen den Beratern Rede und Antwort.

Quelle: Pressemeldung Der Versicherungsverbund Die Continentale

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