Studie: Große Mehrheit der Deutschen für die elektronische Gesundheitskarte
Das zeigt eine aktuelle bevölkerungsrepräsentative Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK): Rund drei Viertel der Bevölkerung begrüßen die Einführung und erwarten, dass damit der Kartenmissbrauch zurückgeht und sie später von weiteren Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte profitieren. Noch größer ist die Zustimmung bei den Teilnehmern aus den eGK-Testregionen (87 Prozent). Skepsis gibt es vor allem bei den befragten Ärzten: Vier von fünf befragten Ärzte sprechen sich dafür aus, das System vor dem Start erst gründlich zu entwickeln. Neue Anwendungen wie die elektronische Patientenakte kommen bei ihnen jedoch mehrheitlich gut an (70 Prozent).
"Wir sind für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, aber nicht um jeden Preis", sagte Professor Dr. Norbert Klusen bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin. Die Technik sei jetzt für den ersten Schritt im Alltagsbetrieb bereit, doch müssten weitere Schritte wie die Online-Aktualisierbarkeit und das elektronische Rezept schnell folgen, damit die höheren Kosten durch Einsparungen kompensiert werden können, so der Vorsitzende des TK-Vorstandes. Zurzeit tauscht die TK (7,2 Millionen Versicherte) pro Jahr rund jede fünfte Krankenversichertenkarte aus, weil sich Adressdaten oder der Versichertenstatus ändern. "Deutschlandweit sind auf diese Weise rund 15 Millionen Krankenversichertenkarten pro Jahr ein Fall für den Schredder", so Klusen.
"Je jünger die Menschen sind, desto mehr befürworten sie die elektronische Gesundheitskarte und die mit ihr künftig möglichen Anwendungen", fasste Karin Gangl, Studienleiterin am Frankfurter F.A.Z.-Institut die Ergebnisse des "Branchenbarometer E-Health" zusammen. So sind 85 Prozent der 18- bis 29-Jährigen von den Vorteilen der Karte überzeugt, bei den über 60-Jährigen dagegen nur rund 70 Prozent. Die Mehrheit der Bevölkerung (60 Prozent) findet die künftigen Funktionen sicher oder sehr sicher - ein großer Teil dagegen gab an, zu wenig über die elektronische Gesundheitskarte und mögliche Risiken zu wissen, um darüber zu urteilen.
Die Befragten schätzen vor allem, dass die Karte künftig wichtige Gesundheitsdaten rascher verfügbar machen soll. Sie versprechen sich davon eine höhere Diagnose- und auch Arzneimittelsicherheit. Auch die Perspektive, dass die eGK später einmal das Anlegen elektronischer Patientenakten mit der individuellen Krankengeschichte inklusive Laborbefunden, Operationsberichten und Röntgenbildern ermöglichen wird, befürworten 70 Prozent der Befragten.
Kritik gab es vor allem beim geplanten Funktionsumfang zum Start: "Sowohl Versicherte als auch Ärzte sehen es skeptisch, wenn eine elektronische Gesundheitskarte mit nur wenigen Basisfunktionen die bisherige Krankenversichertenkarte ablöst", so Karin Gangl. Das Sicherheitskonzept der eGK überzeugt dagegen die meisten Krankenversicherten, nicht aber die Mehrheit der befragten Ärzte.
Bei der Erprobung der Karte wurde offenbar, dass zum Teil erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Einbindung in die täglichen Arbeitsprozesse der Praxen besteht. Während das Auslesen der Basisdaten per Testkarte keine Probleme bereitete, berichten viele Mediziner, dass das Ausstellen eines elektronischen Rezepts und das PIN-Verfahren für freiwillige Anwendungen weniger gut bis schlecht verlief. Dennoch befürworten insgesamt knapp 60 Prozent der befragten Ärzte in den Testregionen die elektronische Gesundheitskarte grundsätzlich. Über 70 Prozent sprachen sich sowohl für den elektronischen Arztbrief als auch die elektronische Patientenakte aus.
Zum Hintergrund:
Nach mehr als zwei Jahren Testbetrieb in sieben Testregionen soll die elektronische Gesundheitskarte ab diesem Sommer schrittweise bis Ende 2010 in Deutschland eingeführt werden. Bis Ende Juni schaffen sich die Ärzte in der Region Nordrhein die von den Krankenkassen finanzierten neuen Kartenlesegeräte an, danach beginnt die Ausgabe der Karten. Versicherte müssen lediglich ein Lichtbild einsenden, um die neue Karte zu bekommen. Die Krankenkassen schreiben die Versicherten rechtzeitig vor dem Start direkt an.
Das Branchenbarometer E-Health basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse und des F.A.Z.-Instituts Ende 2008. Die Angaben zu den Arzt- und Versichertenmeinungen und Erfahrungen in den Testregionen basieren auf Einzelinterviews mit 50 beziehungsweise 100 Befragten und sind deshalb nicht bevölkerungsrepräsentativ.
Quelle: Pressemeldung Techniker Krankenkasse
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