Strukturreform im Gesundheitswesen: NAV-Virchowbund fordert Weitsicht Statt Chaos

21.02.1999 | Köln
Als eine Katastrophe für die ambulante ärztliche Versorgung haben der Bundesvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Maximilian Zollner, sowie seine Stellvertreter Dr. Martin Junker und Prof. Dr. Rainer Rix, die bis jetzt bekannten Eckpunkte zur Strukturreform im Gesundheitswesen bezeichnet.

Anstatt in einer fast krankhaften Reformhektik mit chaotischen Ergebnissen fortzufahren, forderten sie die Gesundheitspolitiker von SPD und Grünen auf, die enge Zeitvorgabe zu durchbrechen, um unter Hinzuziehung eines breiten Sachverstandes eine ausgewogene und für alle Beteiligten tragbare Reform zu verabschieden.

Heftig kritisierte die Verbandsführung des NAV-Virchowbundes die Fortführung der stringenten Budgetierung für die ärztliche Versorgung, die im ambulanten Bereich weder den medizinischen Fortschritt, die Zunahme der Zahl der Vertragsärzte, die demographischen Veränderungen in der Bevölkerung noch die Verlagerung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor berücksichtige. Vermißt bei den Eckpunkten würde zudem eine solide Gegenfinanzierung der Vorschläge sowie Aussagen zur künftigen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Auch drückten sich die Koalitionsfraktionen vor einer Definition eines Kataloges der Leistungen, die von den Krankenkassen noch bezahlt werden.

Mit Nachdruck wandte sich der NAV-Virchowbund gegen ein wie immer geartetes Primärarztsystem und gegen die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante fachärztliche Versorgung. Es sei geradezu absurd, die fachärztliche Versorgung im teuersten Bereich des Gesundheitswesens anzusiedeln und die bürgernahe Versorgung der Patienten durch niedergelassene Fachärzte, die dem Wettbewerb mit den Krankenhäusern finanziell nicht gewachsen wären, zu zerstören.

Eine völlige Absage erteilten Zollner, Junker und Rix dem Vorhaben, daß Krankenkassen, einzeln oder in Gruppen, unter Umgehung der Kassenärztlichen Vereinigungen Verträge mit einzelnen Ärzten oder Arztgruppen abschließen sollen. Eine Ausweitung der Macht der Krankenkassen führe zu keiner Lösung der Probleme. Im Gegenteil konterkariere eine Schwächung der ärztlichen Selbstverwaltung die erklärten Ziele der Gesundheitsreform. Damit werde der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen hinfällig und das Streikrecht ginge wieder auf die niedergelassenen Ärzte über, von dem sie dann auch Gebrauch machen würden.

Quelle: Pressemeldung NAV-Virchow-Bund

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