Schweizer Wirtschaft 2011: Geringeres Wachstum nach überraschend starker Erholung
Das zuletzt sehr dynamische Wirtschaftswachstum wird sich 2011 in der Schweiz verlangsamen. Gründe dafür sind gemäss den Ökonomen der Credit Suisse die allmählich auslaufenden globalen Fiskalpakete und eine Geldpolitik, die zunehmend an ihre Grenzen stösst. Diese wegfallenden Impulse vermag die private Nachfrage nicht vollständig zu kompensieren. Zudem werden sich die Spätfolgen der Finanzkrise auch im kommenden Jahr auf die Realwirtschaft auswirken. Die Ökonomen der Credit Suisse halten daher an ihrer Einschätzung fest, dass die Erholung sich zwar fortsetzt, aber etwas holpriger verlaufen wird. Sie veranschlagen in ihrer Herbstprognose das Wachstum des Schweizer Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 2011 unverändert auf 1,2%. Für das Jahr 2010 gehen sie neu von einem Wachstum von 2,4% aus.
"2011 muss der Patient "Weltwirtschaft" wieder lernen, auf eigenen Beinen zu stehen" fasst Martin Neff, Leiter Economic Research der Credit Suisse, die Perspektiven für 2011 zusammen. Der Spielraum für weitere geld- und fiskalpolitische Stimulierungsmassnahmen, welche die Erholung der Weltwirtschaft begünstigten, hat sich verkleinert und die konjunkturellen Risiken bestehen weiterhin. Die anhaltend hohe Volatilität an den Finanzmärkten verunsichert Investoren und Anleger und bremst die realwirtschaftliche Investitionstätigkeit. Die Stimmung der Konsumenten ist insbesondere in den USA trübe und immer wieder keimen Spekulationen über die Anfälligkeit der Finanzindustrie auf. Selbst Staatsbankrotte können nicht ausgeschlossen werden und auch der chinesische Immobilienmarkt könnte ins Straucheln geraten.
Schweizer Wirtschaft: Verschnaufpause nach Höhenflug
Die Nachwehen der Finanzkrise werden auch 2011 Spuren in der Schweizer Wirtschaft hinterlassen. Trotz des jüngsten Höhenflugs gehen die Ökonomen der Credit Suisse noch nicht von einem nachhaltigen Aufschwung aus. Sie veranschlagen für die Schweiz im kommenden Jahr zwar ein positives Wirtschaftswachstum, doch wird dieses mit 1,2% schwächer ausfallen als 2010 (2,4%). Einen erneuten rezessiven Taucher, wie für die USA mancherorts befürchtet, schliessen sie aber aus, zumal die Verschuldung in der Schweiz das Wachstumspotenzial nicht annähernd so stark beschneidet wie in den meisten anderen Industriestaaten.
Für 2010 veranschlagen die Ökonomen der Credit Suisse das Wachstum im Nachgang der jüngsten Revisionen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung neu auf 2,4% (vorher +1,8%). Die Erholung vom tiefen Fall des Vorjahres verlief demnach äusserst dynamisch. Laut den offiziellen Zahlen des Staatsekretariats für Wirtschaft Seco hat die Schweizer Wirtschaft den rezessionsbedingten Einbruch per Mitte Jahr wettgemacht. Die Arbeitslosenquote dürfte sich in diesem Umfeld zurückbilden und im Jahresdurchschnitt 2010 3,9% betragen, sowie 2011 3,7%.
Exporte: schwache Nachfrage und starker Franken
Die rasante Erholung der Weltwirtschaft hat vor allem positiv auf die Schweizer Exporte durchgeschlagen. Branchen wie die Uhrenindustrie oder die Metallindustrie, welche 2009 massive Einbrüche zu verkraften hatten, verzeichneten 2010 wieder zweistellige Zuwachsraten. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen jedoch nicht davon aus, dass sich dieses Wachstumstempo halten wird, weshalb sie für 2011 ein schwächeres aber immer noch positives Exportwachstum prognostizieren. Eine weitere Frankenaufwertung würde sich wachstumshemmend auswirken. Dennoch ist der Einfluss des Wechselkurses auf die Schweizer Exportwirtschaft zu relativieren, denn das Wachstum im Ausland ist ein weitaus wichtigerer Hebel als die Wechselkursentwicklung. Zudem exportiert die Schweiz immer weniger preiselastische Güter und Dienstleistungen. Gleichzeitig profitiert sie aber von günstigeren Vorleistungen aus dem Ausland. Laut Prognose der Credit Suisse werden die Exporterlöse 2011 um 3,5% steigen (2010: +8%).
Konsum: Rückläufige Migration und Abgaben schmälern Kaufkraft
Auch das Konsumwachstum wird 2011 mit 1,2% schwächer ausfallen als 2010 (1,5%), da die Migration weniger Impulse vermitteln wird als in den Vorjahren. Ausserdem schöpfen 2011 steigende Abgaben wie zum Beispiel Mehrwertsteuer, Arbeitslosenversicherungsbeiträge oder auch Erwerbsersatzabgaben und Krankenkassenprämien Kaufkraft ab. Die Arbeitsplatzsicherheit wird sich zwar weiter verbessern, der Rückgang der Arbeitslosenquote dürfte aber parallel zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums etwas schwächer ausfallen.
Ausrüstungsinvestitionen zwischen billigem Geld und Unsicherheit
Das Umfeld für Ausrüstungsinvestitionen ist einerseits von rekordtiefen Zinsen geprägt und andererseits von unsicheren Aussichten und tiefen Kapazitätsauslastungen. Die günstigen Finanzierungsbedingungen stützen die Investitionstätigkeit, vornehmlich Ersatz- oder Rationalisierungsinvestitionen. Doch Kapazitätserweiterungen sind nur vereinzelt ein Thema. Dafür sind die Ertragsaussichten noch immer zu unsicher und die allgemeine Auslastung zu tief. Das zaghafte Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen wird sich daher gemäss Prognose der Credit Suisse 2011 nur leicht beschleunigen (2,5% gegenüber 1,5% im Vorjahr).
Bauinvestitionen rückläufig, keine Immobilienblase
Die Bautätigkeit in der Schweiz wird insgesamt 2011 leicht abnehmen. Während der Wohnungsbau sich trotz rückläufiger Zuwanderung auf hohem Niveau konsolidieren wird, wird der Wirtschaftsbau schwächer tendieren. Eine Immobilienblase ist jedoch für die Ökonomen der Credit Suisse zurzeit unwahrscheinlich. Zwar sind lokale Überhitzungserscheinungen auszumachen, jedoch kann nicht von einer flächendeckenden Überbewertung gesprochen werden. Und das gemessen am BIP überdurchschnittliche Wachstum des Hypothekarvolumens ist letztlich Ausdruck eines strukturellen Nachholbedarfs im Wohneigentumsmarkt.
Jahresteuerung tief, aber nicht negativ
Im Jahresdurchschnitt rechnen die Ökonomen der Credit Suisse mit einer Teuerung von jeweils 0,6% in diesem und 0,7% im kommenden Jahr. Die derzeit tiefe Teuerungsrate ist eine verzögerte Auswirkung der Rezession im vergangenen Jahr. Viele Unternehmen konnten aufgrund der schwachen Nachfrage ihre Preise nicht erhöhen und gleichzeitig stiegen die Löhne angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nur minimal. Hinzu kommt, dass die aufgrund der expansiven Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank tiefen Zinsen die Mietpreisteuerung tief halten. Moderate Aufschläge der Mieten sind angesichts des hohen Gewichtes der Mieten im Landesindex der Konsumentenpreise ein Garant für eine niedrige Teuerungsrate. Eine Deflation halten die Ökonomen der Credit Suisse für sehr unwahrscheinlich.
Anfragen:
Media Relations Credit Suisse AG, Tel. +41 844 33 88 44, media.relations@credit-suisse.com
Quelle: Pressemeldung Credit Suisse
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