Pauschalisierte Gesundheit
Finanziell ist es keineswegs egal, in welchem Land man krank wird. Fast jedes europäische Land hat ein eigenes Abrechnungssystem für Leistungen der Krankenhäuser. Die Stärken und Schwächen dieser Vielfalt der Pauschalsysteme werden nun untersucht, gefördert vom 7. EU-Forschungsprogramm.
"P67D" war 2007 die am häufigsten verwendete Fallpauschale in Deutschland. Hinter diesem abstrakten Begriff verbirgt sich nicht etwa ein neues Automodell, ein Bauteil oder eine chemische Verbindung. Es steht für die medizinische Versorgung eines gesunden Neugeborenen in einem deutschen Krankenhaus. Seit 2004 werden Behandlungen in Krankenhäusern in einem Fallpauschalensystem nach so genannten DRGs (diagnosis related groups) erfasst und abgerechnet.
Eine Blinddarmoperation sollte überall in Deutschland das Gleiche kosten - egal ob man in Kiel oder in München operiert wird. Außerdem sollten mit den DRGs die Kosten im Gesundheitssystem transparenter und kontrollierbarer werden, denn vor Einführung der DRGs waren sie nicht genau nachvollziehbar. Gleichwohl verursachten die Krankenhäuser im deutschen Gesundheitswesen etwa ein Drittel der Gesamtkosten.
Mittlerweile sind diese sogenannten Fallpauschalen in fast allen europäischen Ländern etabliert. Die Erfahrungen mit unterschiedlichen europäischen Modellen zeigen jedoch, dass DRG-Systeme technische und politische Herausforderungen mit sich bringen: Welche Methodik bildet bei der Berechnung der Pauschalen die Behandlungskosten adäquat ab? Welche Vergütungsbemessung gewährleistet eine hohe Versorgungsqualität und Kontrolle der Kosten?
Im TU-Projekt "Euro-DRG", das am Fachgebiet "Management im Gesundheitswesen" von Prof. Dr. Reinhard Busse angesiedelt ist und für das bis Dezember 2011 etwa 2,8 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wird nun nicht nur nach Unterschieden, Vor- und Nachteilen der europäischen Systeme gefragt, sondern vor allem danach, ob diese Vielfalt gerechtfertigt oder kontraproduktiv ist. Im Fokus des Projekts mit verschiedenen Partneruniversitäten und Einrichtungen stehen die Systeme aus Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden und Spanien. Die Ergebnisse sollen unter anderem Ideen für die Gestaltung eines gesamteuropäischen "EuroDRG"-Systems liefern. "Das Projekt", sagt Busse, "kombiniert so Forschung auf hohem Niveau mit politischer Relevanz, um die europäische Gesundheitsversorgung weiter zu verbessern."
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin
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