Medikamentenpreise - Interpharma fordert einen runden Tisch
Die am Donnerstag von santésuisse und einigen Parlamentariern vorgestellten Forderungen sind widersprüchlich, stellen den Zugang zum therapeutischen Fortschritt in Frage und schiessen damit weit über das Ziel hinaus.
Die Pharmaindustrie hat in den vergangenen Jahren einen grossen Beitrag geleistet, damit die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem vergleichbaren Ausland praktisch eliminiert und die Kosten im Gesundheitswesen gedämpft werden konnten. Als Folge der im Pharmabereich ergriffenen Massnahmen liegen die Fabrikabgabepreise von Originalpräparaten in der Schweiz heute sogar gemäss den Angaben von santésuisse leicht unter jenen in den wirtschaftlich vergleichbaren Ländern. Mit einer Kostensteigerung von nur 5.3 Prozent zwischen 2004 und 2007 ist auch die Kostenentwicklung bei den Medikamenten deutlich unter der Kostenentwicklung der Krankenversicherung.
Dennoch haben die forschenden Pharmafirmen der Schweiz von sich aus die Initiative für eine nachhaltige und langfristige Lösung der Preisregulierung ergriffen. Sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für den Pharmastandort in der Schweiz ist es wichtig, dass der therapeutische Fortschritt in der Schweiz auch in Zukunft bei der Erstattung angemessen berücksichtigt wird. Da dieser Grundsatz bereits heute auf Verordnungsebene geregelt ist, setzt sich Interpharma dafür ein, die unbestrittenen Teile der im letzten Jahr gescheiterten KVG-Revision ebenfalls auf Verordnungsebene zu regeln. Dazu gehören namentlich folgende Punkte:
- Künftig sollen auch patentgeschützte Medikamente alle drei Jahre neu überprüft werden:
- eine Überprüfung des Länderkorbs, wobei am Grundsatz der "wirtschaftlich im Pharmabereich mit der Schweiz vergleichbaren Länder" festgehalten werden muss, was insbesondere für Italien nicht zutrifft;
- eine Überprüfung bei Erweiterung der Indikation.
Am von Interpharma geforderten runden Tisch müssen auch die Preisbildung bei Generika und die Problematik von Währungsschwankungen beim Preisvergleich mit dem Ausland zur Sprache kommen.
Nach Ansicht von Interpharma sollte eine Anpassung der Verordnungen bis zum Sommer möglich sein, damit deren Umsetzung spätestens Anfang 2010 einen Beitrag zur Dämpfung der Kosten und Prämien leisten kann. Die an der Medienkonferenz von santésuisse und einigen Parlamentariern geäusserten Vorschläge schiessen jedoch weit über das Ziel hinaus. Teils sind die Vorschläge widersprüchlich (lineare Preissenkung vs. Erweiterung des Länderkorbs), teils sind sie nicht oder nur schwer praktikabel (Dynamisierung des differenzierten Selbstbehalts wäre patientenfeindlich und könnte die Therapietreue in Frage stellen), teils stellen sie den Zugang zum therapeutischen Fortschritt grundsätzlich in Frage (die automatische proportionale Preissenkung bei Indikationserweiterungen würde Gesuche für neue Indikationen verhindern).
Statt Politik mit dem Lautsprecher, wie es santésuisse betreibt, würde es Interpharma begrüssen, wenn das Bundesamt für Gesundheit die Krankenkassen und die Industrie zu einem runden Tisch einlädt, damit eine Änderung der Verordnungen rasch angegangen werden kann.
Quelle: Pressemeldung Interpharma, Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz
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