Krankmacher Klima

21.07.2009 | München
Hitzewellen oder Überschwemmungen kannten wir bisher vor allem aus Nachrichtenbeiträgen über ferne Länder. Mittlerweile sind extreme Wetterereignisse aber auch in Mitteleuropa keine Seltenheit mehr. Welche Gesundheitsrisiken bringt der Klimawandel auch hierzulande mit sich?

Wer im Alpenraum zu Hause ist, hat sicher schon einmal Bekanntschaft gemacht mit dem "Föhn" - diese spezielle Wetterlage mit Druckschwankungen macht sich bei vielen Menschen mit körperlichen Symptomen wie Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder Übelkeit bemerkbar. Unangenehm. Aber eher harmlos, sagt die Medizin. Ein regionales Phänomen im sonst durchweg gemäßigten Klima Deutschlands.

Aber ist das Klima eigentlich noch so gemäßigt, wie es einmal war? Der Klimawandel zeigt auch hierzulande bereits erste Auswirkungen, die meteorologischen Einflüsse schlagen immer mehr Menschen auf die Gesundheit. Temperaturen deutlich über 30 Grad, die immer seltener mit dem Prädikat "Rekord" ausgezeichnet werden, gehen auf Kreislauf und Herz. Gehäuft auftretende Extremwetterereignisse mit Sturm, Hagel, Starkregen gefährden ganz unmittelbar Leib und Leben. Im Gegenzug fühlt sich manch bisher als exotisch angesehener Schädling und Krankheitserreger im erhitzten Europa zunehmend wohl.

Schweißtreibende Hitze - und im Hintergrund zieht schon das nächste Unwetter auf. Der Klimawandel schlägt auch hierzulande bereits vielen auf die Gesundheit.

Heuschnupfen zur Adventszeit?

Der Klimawandel findet direkt vor unserer Haustüre statt: Die Sommer in Deutschland werden trockener, die Winter milder und niederschlagsärmer. Kurz gesagt: Es wird wärmer. Spitzenwerte wie im "Hitzesommer" 2003 haben allein in Deutschland rund 7.000 Todesopfer gefordert. "Ältere Menschen mit vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System, aber auch Kinder sind besonders gefährdet", erklärt Dr. med. Sieglinde Philippi, Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin und Gesellschaftsärztin bei der Allianz Privaten Krankenversicherung.

Wie stark sich bereits geringfügige Temperatursteigerungen auswirken, zeigen Beobachtungen wie die, dass sich die Zecken-Risikogebiete jedes Jahr einige Meter weiter in den Norden Deutschlands verschieben. Und dass die Überträger von FSME und Borrelliose immer länger aktiv sind. Gesellschaft bekommen sie vermutlich bald schon von ehemals nur in Afrika und Asien vorkommenden Schädlingen wie der Tigermücke, die das grippeähnliche Chikungunya-Virus bereits bis nach Oberitalien getragen hat.

Ähnliches lässt sich über Pollen und sonstige Allergene feststellen: "Je früher die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, desto länger deren Saison. Forscher prognostizieren, dass sich Neophyten, also bisher noch nicht in Deutschland heimische Pflanzen wie zum Beispiel die Ambrosia-Pflanze, hier ansiedeln und neue, heftige Allergien auslösen", so Dr. Philippi.

Rohstoff Wasser in Gefahr

Indirekt zu spüren bekommt der Mensch auch klimabedingte Veränderungen in den Gewässern: So begünstigen verschobene Umweltbedingungen das Algenwachstum in Flüssen und Seen sowie in der Nord- und Ostsee - die Algen wiederum bilden Giftstoffe, die über das Trinkwasser, aber ebenso bei Badenden Krankheiten verursachen können.

Treten die Gewässer dann auch noch über ihre Ufer - wie dies in letzter Zeit bei den durch Starkregen verursachten Überschwemmungen immer häufiger der Fall war - besteht nicht nur Gefahr durch die zerstörerische Kraft der Wassermassen. Ein feuchtwarmes Umfeld und schlechte hygienische Bedingungen begünstigen eine seuchenartige Vermehrung und Ausbreitung von Erregern.

Hoffnung gibt das 2 Grad-Ziel

Ein reichlich düsteres Bild? Hoffnung gibt zumindest die Tatsache, dass dem Klimaschutz eine zunehmend wichtige Rolle eingeräumt wird: Kürzlich erst haben sich die G8-Staaten im italienischen L"Aquila verständigt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Ein Ziel, das die Initiative "2° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz", deren Mitglied die Allianz ist, bereits seit einiger Zeit verfolgt. Das Bündnis deutscher Vorstandsvorsitzender, Geschäftsführer und Familienunternehmer sieht Wirtschafttreibende gefordert, mit technologischen Innovationen und aktivem Handeln voranzugehen.

Thomas Pleines, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG erklärt: "Unternehmen wie die Allianz sind stark an einer Begrenzung der Erderwärmung interessiert. Da der Prozess nicht vollständig aufzuhalten sein wird, müssen wir uns aber auch auf die Effekte, die der Klimawandel auf die Allianz und ihre Kunden haben kann, vorbereiten. Klimarisiken finden bereits verstärkt Berücksichtigung in unseren Geschäftsprozessen, das Versicherungsgewerbe kann und sollte eine Vorbildposition für die gesamte Wirtschaft einnehmen."

Quelle: Pressemeldung Allianz SE

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