Kirschner-Äußerungen im WELT-Interview blanke Unwahrheit

22.08.2001 | Berlin
Dr. Thomas: "Risiken und Nebenwirkungen als Gesundheitspolitiker nicht mehr kalkulierbar!"

"Mangelnde Sachkompetenz gepaart mit Ignoranz sind schlechte Ratgeber für einen Politiker, der für sich in Anspruch nimmt, eine tragfähige Gesundheitsreform verantwortlich mitgestalten zu wollen." Mit Empörung kommentierte Dr. med. Hans-Jürgen Thomas, Vorsitzender des Hartmannbundes, Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Klaus Kirschner, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, der "in einer Art Rundumschlag" die Existenzberechtigung der Kassenärztlichen Vereinigungen in Frage gestellt und den deutschen Ärzten verantwortungsloses Verschreibungs-Verhalten vorgeworfen hat.

Wenn Kirschner behauptet, die Kassenärztlichen Vereinigungen kämen ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nach, ist dies nach Auffassung des Hartmannbund-Vorsitzenden "die blanke Unwahrheit"; denn der gute Ruf des Krankenversicherungs-Systems in Deutschland basiere ganz entschieden auf der sorgfältigen jahrzehntelangen Arbeit der Kassenärztlichen Vereinigungen im Rahmen der gemeinsamen Selbstverwaltung. Auch der gebetsmühlenartig wiederholte Vorwurf des Gesundheitsausschuß-Vorsitzenden, deutsche Ärzte pflegten einen zu lockeren Umgang mit dem Rezeptblock, ist für Dr. Thomas eine weitere Unwahrheit: "Unter den fortbestehenden Budgetierungszwängen können den Patienten heute schon längst nicht mehr alle eigentlich erforderlichen Arzneien verordnet werden." Und wenn Kirschner in diesem Zusammenhang "Nachahmerpräparate und Pseudo-Innovationen" gleichsetze, demaskiere sich der Gesundheitsausschuß-Vorsitzende als Nicht-Fachmann.

Als "völlig grotesk" bezeichnete der Hartmannbund-Vorsitzende die Aussagen des "Gesundheits-Experten" Klaus Kirschner, wonach im Arzneimittelbereich 25 Milliarden Mark einzusparen seien: "Hält man sich vor Augen, dass in der vertragsärztlichen Versorgung rund 37 Milliarden Mark für Arzneimittel ausgegeben werden, will Herr Kirschner hier offensichtlich zwei Drittel dieser Ausgaben einsparen", resümierte Dr. Thomas. Wer auf diese Weise die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung in den Griff bekommen wolle, "dessen Risiken und Nebenwirkungen sind als Gesundheitspolitiker nicht mehr kalkulierbar!"

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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