Internationale Diabetes-Umfrage zeigt deutliche Unterschiede in der Einstellung zu Krankheit und Behandlung
Nach den Ergebnissen einer Umfrage, die am heutigen Weltdiabetestag veröffentlicht wurden, kennen circa 80 Prozent der Allgemeinbevölkerung persönlich jemanden, der an Diabetes erkrankt ist. Gegenwärtig gibt es weltweit über 194 Millionen Diabetiker, und man nimmt an, dass die Prävalenz dieser Erkrankung bis zum Jahr 2025 auf 333 Millionen zunehmen wird [1].
Die SHARED-Studie
Insgesamt nahmen über 12.000 Personen an der SHARED-Studie teil (SHARED = Survey comparing Healthcare professionals and patients to Assess REal perceptions on Diabetes issues; in deutsch: Umfrage zum Vergleich der tatsächlichen Einstellung von Leistungserbringern im Gesundheitswesen und Patienten in Bezug auf Diabetes). Befragt wurden Diabetesexperten, Allgemeinmediziner, Pflegepersonal einerseits, und Diabetiker (Typ 1 und Typ 2) sowie Personen aus der Allgemeinbevölkerung andererseits. Bei der Gruppe der Diabetiker war die Krankheit im Durchschnitt vor 14 Jahren (Typ-1-Diabetes) bzw. 7 Jahren (Typ-2-Diabetes) diagnostiziert worden. Die per Telefon und im Internet durchgeführte Befragung fand im Zeitraum Juli/August 2005 statt; die teilnehmenden Personen stammten aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den USA. Als Ergebnis wurden deutliche Unterschiede zwischen den Ärzten und den an Diabetes Erkrankten deutlich. Im Einzelnen ergab die Umfrage:
* Über 90 % der an Diabetes erkrankten Menschen möchten mehr an den Entscheidungsprozessen bei der Behandlung ihrer Krankheit beteiligt werden, während nur 44 % der Ärzte glaubten, dass dies bei ihren Patienten der Fall sei.
* 62 % der Diabetiker, die mit Insulin therapiert werden, gaben an, dass sich ihr Zustand mit dem Beginn der Insulinbehandlung verbessert hat.
* 90 % der mit Insulin behandelten Patienten sind bereit, die von ihnen benötigte Insulindosis selbst zu bestimmen, um so ihre Blutzuckerwerte zu verbessern und langfristigen Folgeerkrankungen vorzubeugen. Demgegenüber glauben nur 42 % der Ärzteschaft, dass ihre Patienten bereit wären, dies zu tun.
* 47 % der befragten Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin nehmen, sagten, dass sie bereit wären Insulin zu nehmen, wenn ihr Arzt dies vorschlagen würde.
* Im Durchschnitt warten die Ärzte 8,1 Jahre nach der Diagnose, bevor sie ihren Typ-2-Patienten den Beginn einer Insulintherapie empfehlen.
* Sowohl Ärzte als auch Patienten würden es begrüßen, die Behandlungsoptionen mehr im Gespräch miteinander erörtern zu können.
* Die an Diabetes erkrankten Personen machen sich mehr Sorgen, von kardiovaskulären Folgeerkrankungen als von einer Amputation betroffen zu sein, während die Ärzte glauben, dass das Gegenteil der Fall sei.
* Weniger als 50 % der befragten Diabetiker kannten den HbA1c-Test, den wichtigsten Indikator für langfristige Komplikationen.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage war, dass die an Diabetes Erkrankten ihre Behandlung insgesamt positiv sehen; zudem ist die überwältigende Mehrheit (85 %) davon überzeugt, dass ihre Diabeteserkrankung gut oder angemessen behandelt und kontrolliert wird. Allerdings wollen wesentlich mehr Patienten an den Behandlungsentscheidungen teilhaben als dies von den Ärzten bisher angenommen wurde: 91 % der Diabetiker mit oraler medikamentöser Behandlung sagten, dass sie bereit seien, mehr Verantwortung bei ihrer Behandlung zu übernehmen, wohingegen die Ärzte dies nur von 44 % ihrer Patienten annahmen.
Über die Hälfte (52 %) der mit oraler Medikation behandelten Patienten beschreiben ihre Behandlung als "Routine"; diejenigen Patienten, die Insulin injizieren, verwenden dagegen eher positive Attribute wie "lebensrettend" oder "wirksam" als negative Begriffe wie "Einschränkung", "Pflicht" oder "Abstoßung" - Letzteres war von den Ärzten und Pflegekräften vorhergesagt worden.
"Die gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der an Diabetes erkrankten Menschen eine positive Einstellung zu ihrer Behandlung haben und motiviert sind, sich an den Behandlungsentscheidungen zu beteiligen," sagte Frank Snoek, Professor für Medizinische Psychologie und Facharzt für Diabetes am VU Medical Centre in Amsterdam (Niederlande). "Es gibt allerdings eine bedenkliche Wissenslücke bezüglich der Blutzuckerkontrolle mit dem HbA1c-Test, denn weniger als die Hälfte der Befragten haben bisher von diesem Test gehört," wie er weiter ausführte.
Glykiertes Hämoglobin (oder HbA1c) ist ein Maß für den Blutzuckerspiegel während der vergangenen zwei bis drei Monate; der HbA1c-Test wird als Standard-Bluttest bei der Bestimmung und der Überwachung des Blutzuckerspiegels bei Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes angesehen.
In den vor kurzem veröffentlichten, weltweit gültigen Richtlinien der Internationalen Diabetes-Föderation (International Diabetes Federation, IDF) zur Behandlung des Typ-2-Diabetes wird ein HbA1c-Wert von unter 6,5 % als Zielwert empfohlen. [1] Nach Empfehlungen der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (American Diabetes Association) [2] sollten Diabetiker einen HbA1c-Wert von unter 7 % einhalten.
Auch in einer weiteren Studie, die die Einstellungen, Wünsche und Bedürfnisse von Diabetikern (DAWN = Diabetes Attitudes, Wishes and Needs) zum Inhalt hatte, wurde nach der Einstellung von Typ-2-Diabetikern sowie von erst- und zweitversorgenden Ärzten und Pflegekräften zur Insulintherapie gefragt. Diese Befragung ergab, dass Diabetes-Patienten die klinische Wirksamkeit von Insulin als niedrig einstufen und dass sie sich dafür verantwortlich machen würden, wenn sie selbst für die Einnahme verantwortlich wären. Diese Studie ergab außerdem Widersprüchlichkeiten in der Patientenversorgung, nämlich dass erstversorgende Hausärzte, Allgemeinmediziner und Pflegekräfte den Beginn einer Insulintherapie eher verzögerten als zweitversorgende Ärzte. Der Beginn einer Insulintherapie ist darüber hinaus wahrscheinlicher bei Patienten, die ihre Medikation oder Behandlungstermine einhalten, bzw. bei Patienten, die die Gabe von Insulin als eine wirksame Behandlung ansehen und ihre Medikamente seltener verspätet einnehmen.
Über den Weltdiabetestag
sanofi-aventis unterstützt den von der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) initiierten Weltdiabetestag und veröffentlicht aus diesem Anlass Ergebnisse der SHARED-Studie. Das Motto des Weltdiabetestages 2005 lautet: Füße zuerst - Amputationen verhindern!
Quelle: Pressemeldung Sanofi-Aventis
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