Impulse für klinische Forschung

31.08.2009 | Bonn
DFG richtet fünf weitere Klinische Forschergruppen zu Herausforderungen der Medizin ein

Mit fünf neuen Klinischen Forschergruppen will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die klinische Forschung in Deutschland weiter stärken und die wissenschaftliche Klärung und Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten vorantreiben. Wie alle Klinischen Forschergruppen verknüpfen auch die nun eingerichteten Gruppen die Bereiche Klinik, angewandte Forschung und Grundlagenforschung auf engste Weise. Damit tragen sie nicht zuletzt zur wissenschaftlichen Profilbildung und -schärfung an den jeweiligen Medizinischen Fakultäten bei. "Darüber hinaus hilft dieses Förderinstrument auch, die Ausbildungsbedingungen für junge Forscherinnen und Forscher zu verbessern", sagt Dr. Petra Hintze, die in der Gruppe Lebenswissenschaften der DFG für die Klinischen Forschergruppen zuständig ist.

Im Forschungsfokus der fünf neuen Klinischen Forschergruppen stehen hochaktuelle medizinische Fragen: Wie man Metastasen bei Darmkrebs besser bekämpfen kann, wird in ihnen ebenso erforscht wie die effektivere Behandlung von hormonbedingter Fettleibigkeit. Untersucht wird auch, welche Auswirkungen Transportstörungen in der Leber haben und wie sich Therapien gegen Knochenmarkkrebs und die Entzündung von Nierenkörperchen verbessern lassen.

Die DFG hat damit seit 2001 insgesamt 46 Klinische Forschergruppen eingerichtet. Die fünf neuen Gruppen sind die ersten, die nach der Neuausrichtung des Programms im Jahr 2008 bewilligt wurden. Die Gruppen wurden zwischen Juni und August dieses Jahres eingerichtet; die ersten haben ihre Arbeit bereits aufgenommen. Die fünf Einrichtungen sind im Einzelnen (alphabetisch sortiert nach Sprecherhochschule):

Hormonbedingte Fettleibigkeit stellt für viele Patienten eine große gesundheitliche Belastung und für Gesundheitssysteme weltweit eine große Herausforderung dar. Die Klinische Forschergruppe der Charité Berlin will nun bessere Vorhersagen und Verfahren erarbeiten, mit denen sich Übergewicht auch langfristig reduzieren lässt. Um ein tieferes Verständnis für die verantwortlichen Mechanismen zu entwickeln, analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Dynamik des Hormonkreislaufs und des Körperstoffwechsels während und nach einer starken Gewichtsabnahme. Ergänzt wird dies durch klinische und experimentelle Projekte zur Frage, wie sich erneute Gewichtszunahmen nach einem ersten, diätbedingten Gewichtsverlust vermeiden lassen. (Sprecherhochschule: Charité - Universitätsmedizin Berlin, Sprecherin: Professor Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leiter: Professor Dr. Heiko Krude und Professor Dr. Joachim Spranger)

Bei drei Millionen Lebererkrankungen in Deutschland ist die Suche nach Heilung von großer klinischer und sozioökonomischer Bedeutung. Inwieweit Transportstörungen in der Leber nicht nur Hauptursache solcher Erkrankungen sind, sondern auch deren Verlauf beeinflussen - das zu erforschen ist das Ziel der neuen Klinischen Forschergruppe des Universitätsklinikums Düsseldorf. So wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Krankheitsverlauf besser verstehen, routinetaugliche Diagnose- und Prognoseparameter sowie Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Cholestase-assoziierten Lebererkrankungen entwickeln und gleichzeitig die patientenorientierte Forschung vorantreiben. (Sprecherhochschule: Universitätsklinikum Düsseldorf, Sprecher: Professor Dr. Dieter Häussinger, Leiter: Professor Dr. Ralf J. Kubitz)

Neben anderen körperlichen Auswirkungen führt die Glomerulonephritis durch eine bestimmte Immunreaktion zu einer gefährlichen Entzündung der Nierenkörperchen. Insbesondere die rasch fortschreitende Form der Glomerulonephritis kann zum vollständigen Verlust der Nierenfunktion führen. Bislang werden zur Behandlung recht unspezifische Therapien eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken und dadurch starke Nebenwirkungen auf den Patienten haben. Die Klinische Forschergruppe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf will deshalb individuellere, für den Patienten schonendere und damit erfolgreichere Therapien schaffen sowie bessere Diagnostik- und Prognosestrategien entwickeln. Grundlage hierfür ist ein besseres Verständnis der Entstehung von Immunsystemstörungen durch Glomerulonephritis. (Sprecherhochschule: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Sprecher: Professor Dr. Rolf Stahl, Leiter: Privatdozent Dr. Ulf Panzer)

Die häufigste Todesursache bei Darmkrebspatienten ist nach wie vor die Streuung von Tumoren. Die neue Klinische Forschergruppe am Universitätsklinikum Heidelberg will die bislang wenig verstandenen Mechanismen analysieren, durch die zirkulierende Tumorzellen von Primärtumoren zur Metastasenbildung führen. Ein weiteres Ziel ist die genauere Definition antitumoröser Reaktionen des immunologischen Wirts bei Darmkrebs. Die Forscherinnen und Forscher wollen zahlreiche biologische Aspekte besser verstehen und mögliche therapeutische Ansätze entwickeln, um die Bildung von Metastasen effektiver zu bekämpfen. (Sprecherhochschule: Universitätsklinikum Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Markus W. Büchler, Leiter: Professor Dr. Jürgen Weitz)

Die neue Klinische Forschergruppe am Universitätsklinikum Würzburg widmet sich in ihrer Forschung dem multiplen Myelom. Arbeitsgrundlage ist die Annahme, dass bei dieser Form des Knochenmarkkrebses die bösartige Erscheinungsform auf die Aktivierung verschiedener krebserregender Signalwege zurückgeht. Die einzelnen Signalwege und deren Vernetzung wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detailliert untersuchen. Durch ein besseres Verständnis der zahlreichen Facetten dieser Krankheit soll die Entwicklung neuer effektiver Therapiemöglichkeiten vorangetrieben werden. (Sprecherhochschule: Universitätsklinikum Würzburg, Sprecher: Professor Dr. Hermann Einsele, Leiter: Professor Dr. Ralf C. Bargou)

Quelle: Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V.

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