Hausarztmodell der Barmer Nichts Als Heisse Luft
"Der Patient gibt für den billigen Köder von zwei oder drei Praxisgebühren sein Recht auf freie Arztwahl auf und hat keinerlei erkennbaren Vorteil daraus", erklärte Dr. Zollner anlässlich der Vorstellung dieses Modells in Berlin. Zudem sei dieses Hausarztmodell unwirtschaftlich, weil es die Barmer in der ersten Zeit viel Geld kosten werde. "Summa summarum ist das nichts als heiße Luft", folgert der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands.
"Es ist weder absehbar noch wahrscheinlich, dass sich das Modell rechnen wird. Denn bereits heute schon nutzen bei freier Arztwahl 93 Prozent der Patienten zuerst und vorwiegend ihren Hausarzt", verdeutlicht Dr. Zollner und zitiert dabei eine repräsentative Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) vom Mai dieses Jahres.
"Für den Patienten wird das medizinische Handeln damit zusehends zu einer von den Krankenkassen gelenkten Medizin. Der Hausarzt hat aus diesem Modell keine Vorteile, weil er sich für eine kümmerliche Prämie an eine Kassenmedizin verkauft, bei der die Ökonomie über Ethik und soziale Verantwortung bestimmt", kommentiert Dr. Zollner.
Die wahren Ziele der Barmer lassen sich, so der NAV-Virchow-Bund-Bundesvorsitzende, erst auf den zweiten Blick erkennen: "Die Barmer spekuliert offenbar darauf, dass die teilnehmenden Ärzte ihre Patienten verstärkt in so genannte Chroniker-Programme einschreiben. Dafür erhält der Arzt eine Pauschale als "Fangprämie", die Barmer jedoch rund 5.000 Euro aus dem Risikostrukturausgleich aller Krankenkassen", bemerkt Dr. Zollner. Dieses Geld benötige die Barmer, die das letzte Geschäftsjahr mit einem Defizit von 284 Millionen Euro abgeschlossen habe und deren wahrer Schuldenstand immer noch geheim gehalten werde, offenbar dringend.
"Die in dem Hausarztmodell vorgegaukelte neue Qualität der Versorgung ist nichts anderes als eine Festschreibung des Ist-Zustandes: Teilnehmende Ärzte sollen sich fortbilden und an mindestens vier Qualitätszirkeln teilnehmen. In Wahrheit bilden sich die niedergelassenen Ärzte mit vorgeschriebenen rechnerisch 50 Stunden pro Jahr weitaus öfter und besser fort, als in diesem Hausarztmodell von ihnen gefordert wird", betont Dr. Zollner.
Außerdem komme mit dem Hausarztmodell wieder ein Stück Mehr an Bürokratie in die Arztpraxen. "Das ist etwas, was wir am wenigsten gebrauchen können. Wir wollen unsere Zeit für die Patienten einsetzen, nicht für neue Formulare", bekräftigt Dr. Zollner.
Quelle: Pressemeldung NAV-Virchow-Bund
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