Gesundheitsreform: Sammelsurium der Willkür

04.03.1999 | Köln
Als ein Sammelsurium von Willkürmaßnahmen, die zu einer Reduzierung der Qualität der ambulanten ärztlichen Versorgung führen werden, hat heute der Bundesvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Maximilian Zollner, die jüngst von der rot-grünen Koalition vorgestellten Eckpunkte zur Gesundheitsreform bezeichnet.

Sie stellten weder ein in sich schlüssiges Konzept dar noch würden sie dem Anspruch gerecht, das Gesundheitswesen auf Dauer zu stabilisieren. Im Gegenteil führten sie zu einer Zerstückelung der bewährten gewachsenen Strukturen ohne Rücksicht auf die medizinischen Belange der Patienten.

Die signifikanteste Schwachstelle in den Eckpunkten sei eindeutig die vorgesehene Einführung eines Globalbudgets als reine Kostendämpfungsmaßnahme, die mit einer Reform des Gesundheitswesens nicht das geringste zu tun habe, kritisierte Zollner. Ein Globalbudget führe zwangsläufig und sehr schnell zur Rationierung medizinischer Leistungen und Mangelverwaltung, wenn es dem erforderlichen Umfang nicht entspreche und den kommenden Erfordernissen z.B. durch den medizinischen Fortschritt oder die demographische Entwicklung der Bevölkerung nicht kontinuierlich angepaßt werde. Die Festlegung eines Globalbudgets nicht mit dem Ziel, über eine kalkulierbare Orientierungsgröße zu verfügen, sondern Einsparpotentiale vorzugeben, sei unethisch. Die Folge wäre, daß Patienten weder quantitativ noch krankheitsadäquat ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen könnten und damit Opfer einer Rationierung würden.

Eine deutliche Absage erteilte Zollner dem Vorhaben, daß Krankenkassen mit einzelnen Ärzten oder Arztgruppen Versorgungsverträge abschließen können unter Umgehung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Damit würden die Ärzte der Willkür der Krankenkassen ausgeliefert, die zudem durch Risikoselktion zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen werde. Auch sinnvolle Elemente der Eckpunkte, wie die Verwaltungsreform der ärztlichen Körperschaften oder den Aufkauf eines Praxissitzes bei der Beendigung der vertragsärztlichen Tätigkeit eines niedergelassenen Arztes durch Kassenärztliche Vereinigungen oder Krankenkassen, würden an der massiven Kritik an der verfehlten Gesundheitspolitik nichts ändern.

Quelle: Pressemeldung NAV-Virchow-Bund

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