GEK Pflegereport 2008
Das allgemeine Pflegerisiko liegt bei rund 50 Prozent. Das belegen aktuelle Zahlen des Pflegereports der Gmünder ErsatzKasse GEK, der jetzt erstmals veröffentlicht wurde. Ein weiteres Ergebnis: Die fachärztliche Versorgung in Pflegeheimen muss verbessert werden. So kommt es bei Heimbewohnern mit psychischen Störungen oder Parkinson-Syndrom zu durchschnittlich 2,5 Facharztkontakten im Jahr, als medizinisch angemessen gelten vier. Der GEK Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf-Ulrich Schlenker unterstrich: "Wenn wir den Pflegebedarf von morgen schultern wollen, müssen wir über Pflegetrends, Pflegeverläufe und Pflegedefizite mehr wissen. Unser Pflegereport ist hier wegweisend und volkswirtschaftlich sinnvoll."
Wie groß ist das Risiko, selbst pflegebedürftig zu werden? Hierzu macht der GEK Pflegereport erstmals verlässliche Angaben. Er untersuchte, wie hoch der Anteil der 2007 verstorbenen GEK Versicherten war, die im Todesjahr Pflegeversicherungsleistungen in Anspruch genommen haben. Bei den Männern lag der Anteil bei mehr als 40,9 Prozent, bei den Frauen bei mehr als 50,7 Prozent, im Durchschnitt also 44,1 Prozent.
Der Autor des GEK Pflegereports, Professor Dr. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen (ZeS) kommentiert das Resultat so: "Pflege geht uns alle an! Aber Pflege ist keine Einbahnstraße, es kommt auch zu Rückstufungen. Einem kleinen Personenkreis gelingt sogar die Rückkehr in die selbstständige Lebensführung."
Für die Studie wurden sowohl die GEK Pflegedaten als auch die amtliche Statistik ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen die große Pflegedynamik und bekannte Pflegetrends: Zwischen 1996 und 2006 ist der Anteil der Pflegebedürftigen in Pflegestufe 1 von 40 auf 52 Prozent gestiegen, in stationären Pflegeeinrichtungen von 23 auf 30 Prozent. Dagegen sank der Anteil der Pflegegeldempfänger, die keine professionelle Pflege in Anspruch nehmen, von 61 auf 50 Prozent.
Für Professor Rothgang, der Mitglied im Beirat des Bundesministeriums für Gesundheit zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist, eine alarmierende Tendenz: "Diejenigen, die professionelle Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen in Anspruch nehmen, kommen früher in Pflegeheime als Pflegegeldempfänger. Deshalb sollte die Pflege im häuslichen Umfeld weiter gestärkt werden."
Facharztversorgung mit Defiziten
Bei der medizinischen Versorgung in Heimen fiel den Wissenschaftlern die Diskrepanz zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung ins Auge: Zwar wird jeder Heimbewohner einmal im Quartal von einem Hausarzt untersucht. Pflegebedürftige mit psychischen Störungen oder Parkinson-Syndrom kommen allerdings nur 2,5 mal pro Jahr mit einem Neurologen oder Psychiater in Kontakt - aus medizinischer Sicht zu selten.
Auch bei der Versorgung durch Augenärzte und Orthopäden ist Verbesserungsbedarf erkennbar: Die jährliche Behandlungsquote von Pflegebedürftigen in häuslicher und stationärer Pflege durch Augenärzte liegt um 50 Prozent niedriger als bei nicht pflegebedürftigen Personen. Bei Orthopäden fällt die Behandlungsquote um 25 bis 33 Prozent ab.
Laut GEK Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker zeigt sich der Wert des Reports auch vor dem Hintergrund der künftigen Pflegefinanzierung: "Die nächste Pflegereform ist längst absehbar, dann wird auch über die Anpassung der Pflegeleistungen entschieden. Damit die Finanzmittel aber auch richtig eingesetzt und brauchbare Pflegestrukturen unterstützt werden, müssen wir noch mehr über künftige Pflegeverläufe und günstige Pflegearrangements wissen. Der GEK Pflegereport 2008 gibt hier für die gemeinschaftliche Aufgabe die Richtung vor."
Quelle: Pressemeldung Gmünder ErsatzKasse GEK
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