GEK-Arzneimittel-Report 2008
8 Prozent mehr Ausgaben, 7 Prozent Einsparpotential
Berlin (GEK). Der GEK-Arzneimittel-Report 2008 hat bedenkliche Zahlen zur Kostenentwicklung in der Arzneimittelversorgung veröffentlicht. Demnach sind die Arzneimittelausgaben der Gmünder ErsatzKasse im Jahr 2007 um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, von 383 Millionen Euro auf 421 Millionen Euro. Die Ausgaben pro Versichertem lagen um 8,1 Prozent höher als 2006. Angesichts der Ausgabenentwicklung sprach sich der GEK Vorstandschef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker für eine Stärkung der Festbeträge aus. Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS), schätzte das Einsparpotential der GEK auf rund 28 Millionen Euro oder 7 Prozent.
Der stärkste Anstieg wurde bei den verordneten Tagesdosierungsmengen verzeichnet, sie stiegen insgesamt um 10,9 Prozent, von 466 Millionen auf 517 Millionen. Pro Versichertem bedeutet das einen Anstieg um 8,9 Prozent. Ingesamt wurden rund 6 Prozent mehr Packungen verordnet. Die Packungsmenge pro Versichertem nahm damit um 4,4 Prozent zu.
Der deutliche Ausgabenanstieg sei nur zu einem geringen Teil, nämlich zu rund 2,5 Prozent, auf die erhöhte Mehrwertssteuer zurückzuführen, erklärte Glaeske. Ohne erkennbaren Grund sei deutlich mehr verordnet worden als im Vorjahr. "Auffällig ist die starke Zunahme der Verordnungsmengen bei gleichzeitig geringerem Anstieg der Packungsmengen", stellte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fest. "Offenbar wurden schon zu Beginn einer Therapie mehr Großpackungen verordnet. Das ist aber nur dann empfehlenswert, wenn die Behandlung über längere Zeit stabil verläuft, wie zum Beispiel bei Chronikern."
Das gesamte Einsparpotential der GEK schätzt der Arzneimittelexperte auf rund 28 Millionen Euro bzw. 7 Prozent. Rund 12,3 Millionen Euro könnten bei Me-Too-Präparaten eingespart werden, 12,1 Millionen Euro im Generikabereich und 4,0 Millionen über Reimporte.
Angesichts der Ausgabenentwicklung und Qualitätsdefizite im Arzneimittelmarkt sprach sich der GEK Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf-Ulrich Schlenker für gezielte Anstrengungen zur Kostenbegrenzung aus: "Wir brauchen schnellstens die umfassende Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Arzneimittel. Außerdem müssen wir prüfen, ob Rabattverträge nicht langfristig das Festbetragssystem aushöhlen." Schlenker verteidigte auch den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln: "Wir haben gute Erfahrungen mit diesem Vertriebsweg gemacht. Er kommt chronisch kranken Menschen zugute."
Unnötige Antibiotikaverordnung bei Kindern
Der aktuelle Report widmet sich auch den Besonderheiten der Arzneimittelversorgung von Kindern und Senioren. Bei Kindern fiel die hohe Verordnungsrate von Antibiotika ins Auge: Angesichts der weltweit dramatisch wachsenden Antibiotikaresistenz erscheinen Verordnungsraten von 80 Prozent bei Kindern mit der Diagnose Infektion der oberen Atemwege oder Mittelohrentzündung höchst fragwürdig. Insgesamt entfielen 20 Prozent aller verordneten Antibiotika auf Kinder. Auch die Verordnung von Psychostimulantien zur Behandlung des Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) bei 11 bis 14-Jährigen zeigte Auffälligkeiten.
Eine angemessene Arzneimittelversorgung von Kindern und älteren Menschen wird auch Thema des 3. Medizinkongresses der GEK am 25. September in Berlin sein. Für den 14. Oktober ist zudem die Vorstellung einer vertiefenden GEK-Studie zur ADHS-Behandlung geplant.
Quelle: Pressemeldung Gmünder ErsatzKasse GEK
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