Für Kiffer oder Komasäufer: Kursusangebote statt Kriminalisierung
"Strafe muss beileibe nicht immer sein, wenn junge Menschen erstmals mit Cannabis oder beim Komasaufen auffallen. Besser als Sanktion und Kriminalisierung hilft den Erwischten die sofortige professionelle Risikoberatung - sie gilt es in Europa auszubauen." Das hat Jugenddezernent Hans Meyer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Mittwoch (6.10.10) in Münster zum Auftakt einer zweitägigen internationalen Konferenz über innovative europäische Projekte der Suchtprävention angemahnt. Vor Teilnehmern aus 20 Ländern forderte Meyer, dass vor allem in Deutschland eine an 150 Orten ( http://www.lwl.org/ ks-download/ downloads/ fred/ fred-karte09/ index.php?land=17 ) bereits erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Justiz und Drogenberatung um die Kooperation mit Schulen und Elternhäusern ergänzt werden müsse.
"Verpflichtende Kurzinterventionsangebote statt Kriminalisierung, Verhaltensreflexion statt Abstempelung zum Delinquenten" seien laut Meyer die Leitideen des LWL-Konzepts zur "Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten" (FreD). Drei Jahre lang sei dieses von der LWL-Koordinationsstelle Sucht zunächst nur für die deutsche Ebene entwickelte Konzept mit Unterstützung Brüssels in zwölf EU-Staaten "exportiert" und an insgesamt 19 Standorten getestet worden. Von 1.284 angesprochenen Jugendlichen zwischen Island und Rumänien, Zypern und Lettland absolvierten dabei 851 ein neunstündiges Kursusprogramm aus Einzel- und Gruppengespräch, um sich vor drohender Strafverfolgung zu bewahren.
Danach gaben die Teenies (Durchschnittsalter knapp 17 Jahre; drei Viertel männlich) gegenüber wissenschaftlichen Begleitforschern an, zur Reduzierung oder Beendigung ihres Suchtmittelkonsums jetzt besser informiert, risikobewusster und fähiger für die Lösung individueller Probleme zu sein.
Defizite aufgezeigt habe das europäische Projekt beim Zugang zu betroffenen Jugendlichen über den schulischen Bereich. Während die Zusammenarbeit mit Polizei und Justizbehörden weithin eingespielt sei, mangele es vor allem an deutschen Schulen vielfach noch an umfassenden Präventionskonzepten, an denen die "Risikoberatung à la FreD oder vergleichbare Konzepte mit gesundheitsaufklärerischen und zugleich pädagogischen Botschaften andocken könnten", sagte Meyer. Als "Unterstützer wie auch als Unterstützte müssen zudem Väter und Mütter der erstmalig Ertappten einbezogen werden", so der Jugenddezernent weiter.
Nach Meyers Angaben haben laut einer jüngst veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Deutschland weit mehr als ein Viertel aller jungen Menschen unter 25 Jahren Cannabis-Konsumerfahrung. Aktuell berauschen sich demnach schon 12- bis 17-Jährige mit dem Stoff. In Nordrhein-Westfalen landeten 2008 fast 5.200 junge Leute unter 19 Jahren - darunter sogar Zehnjährige - mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. "Das ist binnen sieben Jahren eine Steigerung um kaum glaubliche 320 Prozent", bewertete Meyer Daten des Statistischen Landesamtes NRW
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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