Case-Management und betaListe

02.12.2002 | Augsburg
Wie können schwerst- und chronisch kranke Patienten bei ihrer Krankheitsverarbeitung optimal unterstützt werden? Wer gibt Auskunft zu sozialen Fragen, wie zum Beispiel Rehabilitation, Krankengeld oder Berufsunfähigkeit? Hier bietet der Sozialführer betaListe als Informationsinstrument zum Case-Management einen möglichen Lösungsansatz.

Die betapharm Arzneimittel GmbH präsentierte im Rahmen eines Presse Roundtables am 24. September 2002 in München die überarbeitete 2. Ausgabe des Sozialführers und seine Bedeutung im Case-Management.

Mit der überarbeiteten 2. Ausgabe der betaListe präsentierte Peter Walter, Geschäftsführer der betapharm Arzneimittel GmbH aus Augsburg, ein wichtiges Instrument zur sozialmedizinischen Beratung. Das 2001 zum ersten Mal erschienene Nachschlagewerk vereint Informationen, Ansprechpartner und Adressen zu den Themen Sozialrecht und Selbsthilfegruppen. Ärzte und Apotheker erhalten mit der betaListe einen umfassenden Überblick über soziale Informationen im Gesundheitswesen. "Der Inhalt der 2. Ausgabe ist an die aktuelle rechtliche Situation angepasst. Die Adressen der Selbsthilfegruppen wurden völlig neu recherchiert und umfassen jetzt rund 6.000 Adressen. Das sind eineinhalb-mal so viele Selbsthilfegruppen wie in der 1. Ausgabe", betont Walter. Walter glaubt an den Erfolg der neuen betaListe: "Die positive Resonanz auf die 1. Ausgabe hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bereits heute liegen uns für die neue Ausgabe mehr als 500 Bestellungen von Kliniken vor sowie Anfragen von mehreren tausend Apotheken."

Kompetente und serviceorientierte Unterstützung

betaListe-Redakteurin Andrea Nagl vom gemeinnützigen beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung, Augsburg, erläuterte neben dem Aufbau und dem Nutzen vor allem die übersichtliche Gliederung sowie die verbesserten Inhalte des zweiteiligen Nachschlagewerks. So enthält die 2. Ausgabe der betaListe unter anderem die bisher fehlenden Informationen über die Krankheitsbilder Multiple Sklerose und Schmerz und die bis August 2002 in Kraft gesetzten Gesetzesänderungen. Damit die Liste noch konkreter weiter hilft, wurden im ersten Teil die "Praxistipps" deutlich erweitert und die Rubrik "Wer hilft weiter" neu aufgenommen.

"Ärzte, Apotheker und andere Fachleute im Gesundheitswesen müssen schnellstmöglich wichtige Information finden, damit sie ihren Patienten auch bei Problemen über das Medizinische und Pharmazeutische hinaus weiterhelfen können. Hier liefert die betaListe kompetente und serviceorientierte Unterstützung", so Andrea Nagl.

Ein wichtiges Instrument für die Praxis

Doktor Reinhold Schmid, niedergelassener Kardiologe in Augsburg, sieht in der betaListe ein "wichtiges Instrument" für die tägliche Arbeit in der Praxis. "Denn über das Medizinische hinaus bleiben oft Fragen im Raum, bei denen ich als Arzt manchmal überfordert bin", stellt Schmid fest. Anhand eines Praxisbeispiels erklärt Schmid den konkreten Nutzen des Nachschlagewerks: Eine Mutter, die plötzlich in die Klinik eingewiesen wird - aber was geschieht mit den drei Kindern? Hier liefert die betaListe Aufklärung sowie Hinweise für das Vorgehen und wichtige Adressen. Schmid ist überzeugt, dass "viele Kollegen auch den psychosozialen Aspekt in ihrem Berufsbild sehen wollen. Aber angesichts des engen Zeitrasters können wir Patienten nur weiterhelfen, wenn wir schnelle, wirksame Unterstützung an die Hand bekommen."

Ulrich Koczian, Apotheker in Augsburg, arbeitet nicht nur mit der betaListe, sondern hat auch eine Fortbildung zum Case-Management in Apotheken beim beta-Institut absolviert. "Seit ich über Grundwissen im Sozialrecht verfüge, ist mein Umgang mit der betaListe noch effektiver geworden." Die Beratungssituation ergibt sich meist in den Gesprächen. "Die Probleme unserer Patienten haben sich zwar nicht geändert, doch können wir heute intensiver darauf eingehen und mit Fachwissen weiter helfen." Die Apotheke profitiert von der Ausweitung der Beratung auf den psychosozialen Bereich: "Unsere Beratungsleistung hat sich unter den Patienten bereits herum gesprochen und zu einer stärkeren Kundenbindung geführt", so Koczian.

Kosten senken und Qualität steigern

Professor Doktor Peter Löcherbach, Professor für Sozialarbeitswissenschaft und Rektor an der Katholischen Fachhochschule Mainz, stellte seine konzentrierte Einführung in das Konzept Case-Management vor.

Die Methode Case-Management geht nicht vom Anbieter und seinen Fähigkeiten aus, sondern stellt die Situation und den Bedarf des Patienten in den Mittelpunkt: Zentrale Bedeutung hat deshalb im ersten Schritt die Ermittlung der Bedürfnisse.

Parallel zur Patienten-Ebene muss der Case-Manager die Systemebene beherrschen, das heißt: alle zur Verfügung stehenden Hilfen kennen. Hier hob Löcherbach den Nutzen der betaListe als Informationsinstrument hervor. Die Kenntnis der System- und der Fall-Ebene befähigt den Case-Manager zum Erstellen eines Hilfeplans: "Wer macht was, wann, wie, für wen, mit wem, mit welchem gemeinsamen Ziel?" Diese komplexe Betreuung des Patienten und die Vernetzung der beteiligten Systempartner erfordert qualifiziertes Personal. Löcherbach berichtete von aktuellen Bestrebungen, Case-Management-Ausbildungen zertifizieren zu lassen. Idealerweise baut die Ausbildung zum Case-Manager auf einer bereits vorhandenen Ausbildung und Berufserfahrung auf.

Kompetenz aus Augsburg

Zum Abschluss des Roundtables betonte Horst Erhardt, Geschäftsführer des Bunten Kreises und des beta Instituts, Vorteile und Nutzen eines strukturierten, systemvernetzenden Case-Managements. Der Raum Augsburg/Bayerisch-Schwaben sei die einzige Region in Deutschland, in der dauerhaft eine sektorenübergreifende Versorgung nach dem Case-Management-Konzept gelungen sei: Der Verein für Familiennachsorge Der Bunte Kreis e.V. aus Augsburg betreut seit 1992 schwerst- und chronisch kranke Kinder während und nach dem Klinikaufenthalt.

Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH

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