Behandlungsqualität verbessern, Eigenverantwortung des Patienten fördern

23.06.2010 | Mannheim
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und betrifft in Deutschland heute bereits eine Million Menschen, Tendenz stark steigend. Patienten mit Vorhofflimmern haben ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, insbesondere wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Dieses Risiko lässt sich durch die Behandlung mit einem Gerinnungshemmer reduzieren.

Die Therapie mit Vitamin K-Antagonisten erfordert ein regelmäßiges Monitoring der Thromboplastinzeit in Form der INR-Werte, um diese im therapeutischen Bereich des Patienten zu halten. Das Gerinnungs-Selbstmanagement ist aufgrund einer möglichen engmaschigen Kontrolle sehr gut dazu geeignet. Die Firma Roche Diagnostics, deren CoaguChek Systeme bereits von 160.000 Patienten in Deutschland genutzt werden, bot im Rahmen des diesjährigen Pressekreises ein Forum, um im Dialog mit Experten Hintergründe, praktische Durchführung und Stellenwert des Gerinnungs-Selbstmanagements zu diskutieren.

Bereits heute sind in Deutschland rund eine Million Patienten an Vorhofflimmern erkrankt. Experten schätzen, dass diese Zahl bis zum Jahre 2050 auf Grund der demographischen Entwicklung der Bevölkerung auf das Doppelte ansteigen wird. Jeder vierte über 40-Jährige wird im Laufe seines Lebens unter dieser häufigen Herzrhythmusstörung leiden, die von vielen Patienten erst beim Auftreten von Komplikationen bemerkt wird. Eine mögliche folgenschwere Komplikation ist ein akuter Schlaganfall. Um das insgesamt drei- bis siebenfach erhöhte Risiko für einen ischämischen Schlaganfall bei Vorhofflimmern zu senken, empfehlen die kardiologischen Leitlinien für betroffene Patienten mit speziellen Risikofaktoren die Therapie mit oralen Antikoagulanzien in Form von Vitamin K-Antagonisten.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET), ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, die Versorgungsrealität von Patienten mit Vorhofflimmern zu erforschen. Dazu wurde 2004 ein Register gegründet, das bis 2006 nahezu 10.000 Patienten mit Vorhofflimmern aus verschiedenen Regionen und Versorgungsstrukturen einschloss und sie bis zu fünf Jahre nachverfolgte. Prof. Dr. Gerhard Steinbeck, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München und wissenschaftlicher Leiter des Registers, stellte die ersten Ergebnisse der Basisdaten vor, um den Stellenwert der Prävention des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern im Sinne der Volksgesundheit klar herauszustellen.

Laut dieser Auswertung ist Vorhofflimmern überwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Fast ein Drittel der Patienten war 75 Jahre oder älter. In fast 90 Prozent der Fälle konnte außerdem eine kardiovaskuläre Grunderkrankung nachgewiesen werden, wie z.B. Bluthochdruck bei 70 Prozent der Patienten, eine Herzklappenerkrankung bei 36 Prozent und eine Koronare Herzkrankheit bei 28 Prozent. Vorhofflimmern ohne eine weitere Grunderkrankung ist nach seinen Worten dahingegen mit 12 Prozent eher selten. Die geforderte antithrombotische Therapie wurde nach Steinbeck bei 71 Prozent der Hochrisiko-Patienten im Register leitliniengerecht durchgeführt, was verglichen mit anderen Untersuchungen ein sehr gutes Ergebnis darstellte. Dennoch wurden 17 Prozent der Patienten weiterhin nur mit einem Blutplättchenhemmer, 12 Prozent gar nicht versorgt. Dies stellt genauso wie das in 70 Prozent nicht diagnostizierte, da symptomlose Vorhofflimmern, ein wesentliches Problem der Unterversorgung in dieser Patientengruppe dar, so Steinbeck.

Prof. Dr. Marcus Haass, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I des Mannheimer Theresien-krankenhauses, erläuterte als Stellvertreter einer international aufgestellten Expertengruppe, wie eine adäquate prophylaktische Antikoagulation bei Vorhofflimmern durchgeführt werden sollte und auf welche Leitlinienempfehlung sich der behandelnde Arzt dabei stützen kann. So hat sich zur Risikostratifizierung der sogenannte CHADS2-Score etabliert, der Alter, relevante Komorbiditäten und vorangegangene thromboembolische Ereignisse berücksichtigt. Bei Patienten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko wird eine Therapie mit einem Vitamin-K-Antagonisten empfohlen, da sie der reinen Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS deutlich überlegen ist. Die vorliegenden kardiologischen nationalen und internationalen Leitlinien definieren den angestrebten therapeutischen Zielbereich einheitlich mit einem INR von 2,0 bis 3,0. Jedoch herrschte unter den Experten Konsensus über die dringende Notwendigkeit einer Harmonisierung der Leitlinien besonders im Hinblick auf das Therapiemonitoring. Sie empfehlen, so Haass, ein engmaschiges Monitoring wie z.B. in Form des Gerinnungs-Selbstmanagements anstelle der konventionellen INR-Kontrolle in der ärztlichen Praxis. Denn: Durch das flexible Gerinnungs-Selbstmanagement lässt sich der INR-Wert sehr viel besser im Zielbereich einstellen, was das Risiko für thromboembolische als auch Blutungskomplikationen deutlich reduziert.

Dr. Dietrich Ney, Kinderarzt am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhemstift in Hamburg, stellte dar, welche Anforderungen die Schulung des Gerinnungs-Selbstmanagements an Arzt und Patient stellt. Wie Ney berichtete, werden geeignete Patienten in Kleingruppen in speziellen Schulungseinrichtungen (dies können Kliniken und Praxen sein) unterrichtet. Hierin kommt das so genannte SPOG-Programm (Schulungsprogramm für Patienten unter oraler Gerinnungshemmung), das die relevanten Lerninhalte auf einfache und verständliche Weise vermittelt, zum Einsatz. Die zur Verfügung gestellten Materialien sind klar und übersichtlich aufgebaut. Ein Patientenbuch verbleibt als Nachschlagewerk beim Patienten. Nach Abschluss der Schulung können die Patienten nicht nur die Bestimmung des INR-Wertes mit dem CoaguChek XS System korrekt durchführen, sondern haben auch anhand vieler praktische Übungsbeispiele gelernt, wie die Dosis des Vitamin K-Antagonisten angepasst wird und welchen Einfluss der Genuss bestimmter Nahrungsmittel auf den Gerinnungswert hat. Die Schulung zum Gerinnungs-Selbstmanagement unterstützt die Patienten dabei, im Umgang mit ihrer Erkrankung von einer passiven in eine aktive Rolle zu wechseln und stärkt in hohem Maße die Eigenverantwortung, fasst Ney zusammen.

Quelle: Pressemeldung Roche Diagnostics GmbH

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