Ambulante Behandlungsmöglichkeiten verbessern

23.02.2010 | Neuss
In Nordrhein startet neues Versorgungskonzept zur Schizophrenie-Therapie

Patienten mit Schizophrenie werden in Nordrhein künftig besser versorgt: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein und die AOK Rheinland/Hamburg haben eine Vereinbarung zur Förderung einer qualitätsorientierten und leitliniengerechten Langzeitbehandlung von Patienten mit Schizophrenie geschlossen. Nordrheinische AOK-Versicherte mit Schizophrenie können sich bei einem der teilnehmenden Ärzte in das Programm einschreiben und profitieren damit bundesweit als erste von dem neuen Versorgungskonzept. Ziel ist es, Patienten strukturiert in den Behandlungsprozess einzubeziehen, um darüber eine verbesserte Therapietreue zu erreichen und belastende Krankenhauseinweisungen zu vermeiden.

"Die Förderung einer kontinuierlichen Therapie über mehrere Jahre kann das Risiko eines Krankheitsrezidivs um bis zu zwei Drittel verringern.", erklärt Cornelia Prüfer-Storcks, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. "Unser Ziel ist es, die Teilhabe der Patienten am sozialen und beruflichen Leben bestmöglich zu fördern." "Maßnahmen, die das Wissen um Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des Krankheitsbildes Schizophrenie verbessern, fördern nachweislich die Bewältigungsstrategien bei den Betroffenen", ergänzt Bernd Brautmeier, Vorstand der KV Nordrhein. "Ich freue mich deshalb, dass unser innovatives Konzept jetzt mit der AOK Rheinland/Hamburg startet und bin mir sicher, dass es bundesweit beispielgebend sein wird".

Entwickelt wurde das Versorgungskonzept von der KV Nordrhein, der AOK Rheinland/Hamburg und dem forschenden Arzneimittelhersteller Janssen-Cilag aus Neuss in enger Kooperation mit Experten aus Klinik und Praxis und den Betroffenen selbst. "Durch die Zusammenarbeit vieler Kompetenzbereiche im Bereich der Schizophreniebehandlung ist ein strukturiertes Versorgungsangebot entstanden, das zum einen Patienten bei der Bewältigung ihrer Erkrankung und zum anderen Ärzte bei ihrem Engagement für eine verbesserte Patientenbetreuung unterstützt," erläutert Hans Wormann, Mitglied der Geschäftsführung von Janssen Cilag. AOK-Patientinnen und Patienten aus Nordrhein, die im zurückliegenden Jahr mindestens einmal aufgrund einer akuten Symptomatik stationär behandelt werden mussten, haben jetzt die Möglichkeit, sich in das Programm einzuschreiben.

Das Versorgungskonzept setzt auf die Kombination einer medikamentösen Langzeitbehandlung mit wissenschaftlich anerkannten begleitenden Therapieangeboten, um die Rückfallrate zu reduzieren und die Lebensqualität der Patienten spürbar zu verbessern. "Mehr Wissen über ihre Erkrankung hilft Patienten, ihre persönliche Situation besser einzuschätzen und fördert die Therapietreue. Dieses Konzept leistet Nervenärzten eine gute Hilfestellung, um die Versorgung der Schizophreniepatienten weiter zu verbessern", so Dr. Christian Raida, Vorstandsvorsitzender des ZNS Koeln e.V.

Um zu überprüfen, ob das neue Versorgungsangebot den Patienten wirklich hilft, wird das Projekt durch Professor Dr. Jürgen Wasem, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen, wissenschaftlich begleitet. Über den Zeitraum von zwei Jahren wird verfolgt, ob sich durch den Einsatz dieses Versorgungskonzepts die Anzahl der Krankenhauseinweisungen und -aufenthalte der an Schizophrenie erkrankten Patienten in diesem Konzept medizinisch sinnvoll und patientengerecht reduzieren lässt. "Die Definition eines anhand von Routinedaten messbaren Parameters (z.B. "Anzahl der Einweisungen") ist unbedingt erforderlich um die angestrebte Verbesserung der Versorgung auch wissenschaftlich zu überprüfen und zu belegen. So lassen sich auch Aussagen treffen, welche Versorgungsangebote sinnvoll sind und gegebenenfalls in eine Regelversorgung aufgenommen werden sollten", so Professor Wasem.

Das aus verschiedenen Bausteinen bestehende Therapiekonzept soll den Betroffenen helfen, mehr über die Erkrankung Schizophrenie zu erfahren und angemessen damit umzugehen: Patienten erhalten fundiertes Wissen über die Erkrankung ("Psychoedukation"), um im Dialog mit ihrem Arzt über ihre Therapie mitzuentscheiden ("Shared Decision Making" = Partizipative Entscheidungsfindung). Diese gemeinsam getroffene Entscheidung stellt eine wichtige Grundlage dar, um die Behandlung konsequent und zuverlässig durchzuführen ("Adherence" = Therapietreue). Ergänzend bekommen Patienten wichtige Hilfestellungen, um vor dem Hintergrund ihrer individuellen Lebenssituation eine langfristige Therapiezielplanung gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten vorzunehmen.

Das Erkrankungsbild der Schizophrenie ist geprägt durch eine Manifestation der Erkrankung im frühen Erwachsenenalter und einen zumeist chronisch wiederkehrenden Verlauf. Auftretende Krankheitsrückfälle erhöhen das Risiko für eine zunehmende Verschlechterung im Krankheitsverlauf und gehen zumeist mit belastenden Krankenhausaufenthalten einher. Eine früh einsetzende medikamentöse Behandlung und eine konsequent durchgeführte Rückfall-Vorsorge sind entscheidende Elemente für eine ganzheitliche leitliniengerechte Therapie.

Quelle: Pressemeldung Janssen-Cilag GmbH

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